Meine 10 Tage Vipassana Erfahrung

Einige von Euch mögen vielleicht nicht glauben was ich während der 10 Tage Meditation erlebt habe. Am besten probiert ihr es selbst aus. Ich kann es sehr empfehlen. Und wie die Methode selbst beschreibt, kann jeder nur etwas wirklich wissen, wenn es selbst erlebt wurde. Dinge die du in Büchern liest oder von anderen hörst sind ein Anfang für dein Wissen, aber um wirklich Weisheit zu erlangen ist es essentiell eigene Erfahrungen zu sammeln. Ich habe nicht nur drei Meditationstechniken gelernt, sondern auch einiges über das Leben.

Warum habe ich die Vipassana Meditation gemacht?

Ich habe bereits einige Male etwas von stiller Meditation seit August 2017 gehört. Doch ich habe nicht wirklich drüber nachgedacht und mich selbst dabei gesehen. Dann Ende März 2018 in Fremantle, Australien bin ich einen frühen Morgen in eine Frau gelaufen, die auf dem Weg zum 1,5 Stunden von Perth entfernten Vipassana Meditationszentrum unterwegs war, um dort als Freiwillige zu arbeiten. Sie hat mir erzählt, dass es für sie eine großartige Erfahrung war 10 Tage zu meditieren und jetzt als Freiwillige zurück zu geben in einem der weltweiten Zentren.

Auf dem Bali Spirit Festival habe ich eine Frau getroffen, die Vipassana in Malaysia in der Nähe von Kuala Lumpur erlebt hat. Ich habe gedacht, ich habe sowieso einen Flug nach Kuala Lumpur. Ich habe mir den Ort und die Daten angeschaut, doch vor Juli war kein Platz frei. Ich wollte es jedoch im Mai 2018 nach meinem Bali Besuch machen.

Während des Wild Goddess Retreats ein weiterer Hinweis lies mich drüber nachdenken: Ich habe eine Karte zu Beginn des Retreats gezogen, auf der ein Buddha abgebildet war und “Meditieren” drauf stand. Ich habe außerdem mit den Frauen dort gesprochen und bin so zu Dharamsala in Indien gekommen. I war mir nicht 100%ig sicher, dass ich alleine nach Indien reisen möchte. Ich habe die Daten trotzdem geprüft, aber auch hier wieder keine freien Plätze im Mai, erst wieder im Juli.

Mitte April 2018 habe ich dann mit einer Freundin drüber gesprochen. Ein Freund von ihr hat schon mehrfach Vipassana in Sri Lanka erlebt. Also habe ich dort die Orte und Daten angeschaut. Und tatsächlich ab 4.Mai sollte ein Kurs los gehen und es waren noch Plätze frei. Ich habe mich für Kosgama entschieden, da es in der Nähe von Colombo liegt. Doch wenn ich nochmal die Wahl hätte würde ich mich für das Zentrum in der Nähe von Kandy entscheiden, da die Temperaturen dort milder sind.

Nur zwei Wochen vor Beginn des Kurses habe ich mich beworben und wurde innerhalb weniger Tage angenommen. Bis dahin hatte ich schon meine Flüge gebucht und mein Visum online beantragt. Ich war mir sicher, dass es klappen würde, da es einfach so gut ineinander floss. Eine Woche später saß ich dann meditierend in Sri Lanka.

Wie sahen meine 10 Tage Meditation aus?

Wir hatten einen Tagesplan zu befolgen:

04:00 Weckruf per Gong

04:30 – 06:30 Meditation

06:30 – 07:00 Frühstück

07:00 – 07:50 Pause

08:00 – 11:00 Meditation inkl. 1 Stunde Gruppensitzung (das bedeutete für eine Stunde in der gleichen Position zu sitzen ohne einen Muskel zu bewegen)

11:00 – 11:30 Mittagessen

11:30 – 12:50 Pause

13:00 – 17:00 Meditation inkl. 1 Stunde Gruppensitzung

17:00 – 17:30 Tee & Snack

17:30 – 17:50 Pause

18:00 – 19:00 Gruppensitzung

19:00 – 20:15 Video-Vortrag von Goenka (Lehrer des Vipassana)

20:15 – 21:00 Meditation

21:00 Vorbereitung ins Bett zu gehen

21:30 Licht aus

Die Einrichtung war einfach … kalte Dusche, typische indische / Sri Lanka Toiletten, keine Klimaanlage nur in der Meditationshalle, einfache Betten – eine Matratze mit dünnen Bettlaken auf Beton und einfaches Sri Lankan Essen. Wir hatten vorwiegend Reis & Kartoffeln, Gemüse & Bohnen zum Frühstück und Mittagessen. Unser Nachmittagssnack bestand immer aus Crackern und einer Banane. Einen Nachmittag sang ich in meinem Kopf “Bananas & Crackers, Bananas & Crackers, … lalala”. 😉

Die 10 Tage waren wie folgt aufgebaut:

  • 1-3 Tag Anapana Meditation

Diese Meditation dreht sich um die Beobachtung des eigenen natürlichen Atems um die Nase herum, dann die Empfindungen unterhalb der Nasenlöcher oberhalb der Lippen, um zu lernen die Gedanken zu fokussieren.

  • 4.Tag Vipassana Tag

An diesem Tag wurde die Vipassana Meditationstechnik eingeführt. Hierbei haben wir gelernt die Empfindungen auf unserem Körper zu beobachten und los zu lassen.

  • 5.-9.Tag Vipassana Meditation
  • 10.Tag Metta Meditation, Video über Vipassana in indischen Gefängnissen & das Schweigen wurde am Morgen aufgehoben
  • 11.Tag abschließender Video-Vortrag

Seit dem hängen so einige Worte, Sätze und wiederholte Erklärungen in meinem Kopf fest. Doch diese aus dem Englischen zu übersetzen würde ihre Bedeutung verändern. Falls ihr interessiert seid, schaut euch am besten die Englische Version an.

Die ersten Tage hatte ich mit dem vielen Sitzen sehr zu kämpfen. Ich hatte überall Schmerzen und war sehr viel in meinem Kopf unterwegs. Nach einer Weile war ich das viele Sitzen gewöhnt und mit Hilfe der Technik habe ich begonnen mich von Innen selbst zu heilen, Leid / Sankaras zu verarbeiten und dadurch wurden die Schmerzen Stück für Stück reduziert.

Ich habe gelernt gleichmütig zu sein und akzeptiert, dass sich alles verändert. So kommen und gehen Empfindungen auf dem Körper. Also kommen und gehen Schmerzen. Wenn ich mir wünsche, dass der Schmerz aufhört und ich dem Schmerz gegenüber Ablehnung verspüre, wird er nicht gehen. Nur wenn ich die Realität akzeptiere, wie sie ist, wird der Schmerz gehen und kommt nur noch sanfter oder gar nicht mehr zurück.

Um wirklich von der Meditationstechnik zu profitieren ist es nun Zeit für eine neue Gewohnheit in meinem Leben: eine Stunde Vipassana Meditation am Morgen und Abend gefolgt von ein paar Minuten Metta. Falls ich mich nicht gleich konzentrieren kann, kann ich auch erstmal mit bis zu 15 Minuten Anapana Meditation beginnen. Puh, das ist eine ganze Menge dafür, dass ich bereits jeden Morgen Yoga praktiziere. Aber ich werde es versuchen und wenn es nur von Zeit zu Zeit klappt.

Vorteile, die ich aus dem Kurs bereits erlebe:

  • verbesserter Fokus & Produktivität – Ich habe meine Vision für mein Coaching Business entwickelt.
  • Selbstheilung – Schmerz , den ich zu Beginn noch beim 10-stündigen Sitzen am Tag verspürt habe, hat aufgehört und damit auch emotionale Blockaden, die als Ablehnung und Verlangen beschrieben werden und in Leiden resultieren.
  • Fokus auf Empfindungen im Körper, zu erst die natürliche Atmung und später auf den ganzen Körper
  • Den Energiefluss im Körper während eines schnellen Scannens des Körpers zu spüren, aber auch beim nach und nach entlang fühlen an jedem Körperteil. Ich habe einen Wärme-Ring um die Stellen herum gespürt, die ich gerade gedanklich entlang gegangen bin.
  • Metta Meditation – das Gefühl Wellen von Liebe ausbreiten zu können
  • bedingungslose Liebe sehen und erleben zu können
  • sehr positiver Nebeneffekt: Ich habe großartige Menschen kennen gelernt, die am Kurs teilgenommen haben. Nachdem ich 10 Tage neben den anderen Frauen in der Meditationshalle, beim Essen, im Bad und im Schlafraum verbracht habe, hatte ich das Gefühl wir würden uns sehr gut kennen. Als am 10.Tag das Schweigen aufgehoben wurde, haben wir sofort angefangen über alles in unseren Leben zu reden, von Jobwechseln zu Beziehungen bis zu unseren Erfahrungen während der Meditation.

Besonders war für mich auch, dass ein männlicher und weiblicher buddhistischer Mönch am Kurs teilgenommen haben. Und vor allem war es spannend für mich zu sehen, dass sie um alles bitten müssen, sodass sie nichts ohne die Gunst anderer tun können. Das fängt beim Öffnen von Türen an, über das Reinigen und das Füllen ihrer Essensschale. Ich habe sie auch nachdem das Schweigen aufgehoben wurde, nur wenig sprechen sehen und hören. Ich glaube, dass Stille auch ein Teil ihres Alltags ist.

Die Vipassana Meditationskurse sind komplett Spenden basiert. Keiner wird bezahlt, weder die Lehrer, noch die Dhamma Helfer, noch die die das Essen in der Küche zubereitet haben. Du bezahlst nicht. Du erhältst kostenfrei Essen, lebst in einfachen Unterkünften und teilst dir mit einer anderen Frau ein Zimmer (oder in meinem Fall hatte ich ein eigenes). Erst am Ende des Kurses entscheidest du wie viel du freiwillig bereit bist zu geben. Nach der Teilnahme an einem 10-Tages Kurs ist es auch möglich als Freiwillige als Dhamma Helfer in einem der Zentren auf der Welt zurück zu geben.

Um mehr über Dhamma.org und die Vipassana Meditation zu lernen, schau auf deren Website vorbei.

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